Ratgeber
Fassade streichen: Wann ist es Zeit, was kostet es, welche Farbe?
Von Joshua Leidenfrost, Maler- und Lackierermeister ·
Eine Fassade ist mehr als Optik. Der Anstrich schützt Putz und Mauerwerk vor Regen, UV-Strahlung und Frost. Ist er verbraucht, dringt Feuchtigkeit ein – und aus einem Anstrich wird schnell eine Putzsanierung.
In diesem Ratgeber erkläre ich als Maler- und Lackierermeister aus Bornheim, woran Sie erkennen, dass Ihre Fassade einen neuen Anstrich braucht, wovon die Kosten abhängen, welche Farbe zu Ihrem Haus passt und wie ein fachgerechter Fassadenanstrich abläuft.
Woran Sie erkennen, dass die Fassade gestrichen werden muss
Als grobe Orientierung: Ein fachgerecht ausgeführter Fassadenanstrich hält häufig zehn bis fünfzehn Jahre, auf der Wetterseite oft kürzer. Entscheidend ist aber nicht das Alter, sondern der Zustand. Diese Anzeichen sollten Sie ernst nehmen:
- Die Fassade kreidet ab
- Wischen Sie mit der flachen Hand über die Wand. Bleibt ein farbiger, pudriger Belag zurück, hat das Bindemittel nachgelassen und der Anstrich schützt nicht mehr zuverlässig.
- Risse
- Feine Haarrisse sind oft nur optisch. Breitere Risse, durch die Wasser eindringen kann, sollten vor dem Anstrich fachgerecht saniert werden.
- Abplatzungen und Blasen
- Löst sich die Farbe, steckt häufig Feuchtigkeit dahinter. Dann muss vor dem Neuanstrich die Ursache geklärt werden.
- Grüne oder dunkle Beläge
- Algen und Pilze siedeln sich vor allem auf Nord- und Westseiten und in der Nähe von Bäumen an. Sie lassen sich entfernen, kommen ohne passenden Anstrich aber wieder.
- Verblasste Farbe
- Starke Farbunterschiede zwischen Sonnen- und Schattenseite zeigen, dass UV-Strahlung Pigmente und Bindemittel abgebaut hat.
- Die Wand nimmt Wasser auf
- Wird die Fassade nach einem Regenschauer fleckig dunkel und bleibt lange nass, ist der Wasserschutz verbraucht.
Wovon die Kosten abhängen
- Fläche
- Abgerechnet wird nach Wandfläche. Wie Fenster, Türen und Laibungen berücksichtigt werden, regelt die DIN 18363 in der VOB Teil C – im Angebot sollte das nachvollziehbar sein.
- Gerüst
- Ab dem Obergeschoss ist in der Regel ein Gerüst nötig, und es ist oft ein großer Kostenblock. Steht es ohnehin, lohnt es sich, Dachrinnen, Fensterläden oder Holzteile im selben Zug zu erledigen.
- Zustand und Vorarbeiten
- Reinigung, Algenbehandlung, Rissanierung, Ausbessern von Putzschäden und Grundierung machen oft mehr Aufwand aus als der Anstrich selbst.
- Farbsystem
- Silikonharz- und Silikatfarben kosten mehr als einfache Dispersionsfarben, halten auf passendem Untergrund aber meist deutlich länger.
- Details
- Gesimse, Faschen, Sockel, mehrfarbige Gestaltung und viele Fenster erhöhen den Aufwand gegenüber einer glatten Fläche.
- Zugänglichkeit
- Enge Grundstücke, Anbauten, Wintergärten oder ein Gerüst auf dem öffentlichen Gehweg, für das die Stadt eine Genehmigung erteilen muss, beeinflussen Aufwand und Kosten.
Ein verlässlicher Preis entsteht deshalb erst nach einer Besichtigung. Ich komme kostenlos vorbei, prüfe den Untergrund und schicke Ihnen ein festes Angebot mit allen Positionen.
Welche Fassadenfarbe passt?
- Silikonharzfarbe
- Wasserabweisend und zugleich wasserdampfdurchlässig, geeignet für die meisten mineralischen Putze und viele Altanstriche. Für viele Häuser in der Region die vielseitigste Wahl.
- Silikatfarbe
- Verbindet sich mit mineralischem Untergrund wie Kalk- oder Kalkzementputz, ist sehr diffusionsoffen und durch ihre Alkalität weniger anfällig für Algen. Auf Kunstharzputzen und Dispersionsaltanstrichen nicht geeignet.
- Dispersionsfarbe
- Günstig und farbtonstark, aber weniger wasserdampfdurchlässig. Eher für gut erhaltene Untergründe und geschützte Flächen.
- Kalkfarbe
- Traditionell und sehr diffusionsoffen, typisch für Fachwerk und denkmalgeschützte Gebäude. Braucht häufiger einen Neuanstrich.
Gegen Algen werden oft Farben mit Filmschutz eingesetzt. Er wirkt einige Jahre, wird aber nach und nach vom Regen ausgewaschen. Ob ein Filmschutz sinnvoll ist oder ein mineralisches System die bessere Wahl, hängt von Lage, Dachüberstand und Bepflanzung ab – das besprechen wir vor Ort.
Farbton wählen: worauf Sie achten sollten
Dunkle Farbtöne heizen sich in der Sonne stark auf. Bei gedämmten Fassaden mit Wärmedämmverbundsystem schreiben die Hersteller deshalb meist einen Mindest-Hellbezugswert vor, der in den Unterlagen des Systems steht. Wird er unterschritten, drohen Spannungsrisse.
Vor einem Farbwechsel lohnt ein Blick in Bebauungsplan oder Gestaltungssatzung Ihrer Gemeinde, bei denkmalgeschützten Häusern ist die Denkmalbehörde einzubeziehen. Ein Neuanstrich im bisherigen Farbton ist in der Regel unproblematisch.
Farbfächer und Bildschirm täuschen. Ich lege deshalb auf Wunsch Musterflächen direkt an Ihrer Fassade an, damit Sie den Farbton bei Tageslicht und auf der echten Putzstruktur sehen.
Der richtige Zeitpunkt
Fassadenfarben brauchen trockenes Wetter und Mindesttemperaturen, meist ab etwa +5 °C für Luft und Untergrund, bei manchen Systemen mehr. Auch in der Nacht nach dem Anstrich sollte es nicht frieren. Gestrichen wird deshalb in der Regel zwischen April und Oktober.
Pralle Mittagssonne, starker Wind und hohe Luftfeuchtigkeit sind ebenfalls ungünstig, weil die Farbe zu schnell oder zu langsam trocknet. Wer schon im Winter plant, bekommt leichter einen Wunschtermin in der Saison.
So läuft ein Fassadenanstrich ab
- Prüfung
- Kreidetest, Klebebandtest und Sichtprüfung auf Risse und Feuchtigkeit. Daraus ergibt sich das passende Farbsystem.
- Gerüst und Schutz
- Gerüst stellen, Fenster, Türen, Boden und Pflanzen abdecken.
- Reinigung
- Schmutz, lose Farbe und Beläge entfernen, Algen und Pilze behandeln.
- Ausbessern
- Risse und Putzschäden sanieren, Fehlstellen angleichen.
- Grundierung
- Den Untergrund festigen und die Saugfähigkeit ausgleichen.
- Zwei Anstriche
- Zwischen- und Schlussanstrich im gewählten Farbsystem.
- Abnahme
- Gemeinsame Abnahme, Gerüst abbauen, Baustelle sauber übergeben.
Bei einem Einfamilienhaus dauert das je nach Größe, Zustand und Wetter meist ein bis zwei Wochen.
Fördermittel und Steuer
Ein reiner Fassadenanstrich gilt nicht als energetische Sanierung und wird deshalb in der Regel nicht über die Bundesförderung für effiziente Gebäude gefördert. Anders kann es aussehen, wenn die Fassade gedämmt wird – dafür ist eine Energieberatung der richtige erste Schritt.
Für das selbst genutzte Wohnhaus können Sie nach § 35a EStG 20 Prozent der Arbeitskosten, höchstens 1.200 Euro im Jahr, von der Steuer abziehen. Voraussetzung sind eine Rechnung mit ausgewiesenem Arbeitsanteil und die Zahlung per Überweisung. Die Details klären Sie bitte mit Ihrer Steuerberatung.
Häufige Fragen zu Fassade streichen
Häufig nach zehn bis fünfzehn Jahren, auf der Wetterseite oder bei starkem Algenbewuchs früher. Entscheidend ist der Zustand: Kreidet die Fassade ab, zeigt Risse oder nimmt Wasser auf, ist es Zeit.
Die meisten Fassadenfarben brauchen mindestens etwa +5 °C an Luft und Untergrund, einige Systeme mehr, und es darf weder regnen noch nachts frieren. Deshalb wird meist zwischen April und Oktober gestrichen.
Für einen Neuanstrich im bisherigen Farbton in der Regel nicht. Bei einem Farbwechsel können Bebauungsplan, Gestaltungssatzung oder Denkmalschutz Vorgaben machen. Fragen Sie im Zweifel beim Bauamt Ihrer Stadt nach.
Das hängt vom Untergrund ab. Silikatfarbe eignet sich für rein mineralische Putze und Altanstriche, Silikonharzfarbe ist vielseitiger und auch auf vielen Dispersionsaltanstrichen einsetzbar. Welche passt, zeigt die Untergrundprüfung.
Für Erdgeschossflächen und Sockel oft nicht. Für Fassaden ab dem Obergeschoss ist ein Gerüst in der Regel nötig – für sicheres Arbeiten und ein gleichmäßiges Ergebnis.
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